USA Reise

Unsere Amerika- Reise 2013

Endlich am 30. September 2013 war es so weit. Meine Frau Gertrud und ich hatten die Koffer gepackt, um die Reise nach Amerika anzutreten. Viele Vorbereitungen waren dem vorausgegangen. So hatten wir schon 2 Jahre vorher angefangen unser eingeschlafenes Englisch durch Abendkurse aufzufrischen. Die Kontakte mit der amerikanischen Verwandtschaft waren seit einigen Jahren hergestellt. In Lynda Burggraff Bokker aus South Dakota, hatten wir den richtigen Ansprechpartner gefunden. Sie hatte vor, ein Familientreffen der Burggraff´s zu organisieren. Dies sollte in ihrer Nähe, in Dell Rapids statt finden. So flogen wir von Luxemburg über Amsterdam nach Minneapolis in Minnesota.Als wir dort mit unserem Mietauto, einem tollen kleinen Jeep starteten, konnten wir es nicht fassen: wir waren in Amerika! Das erste mal in unserm Leben! Ein Traum war Wirklichkeit geworden. Ich musste daran denken, wie mühsam es für John Bourggraff war, als er um 1860 seine Heimat in Luxemburg verließ und sich mit seiner Familie auf den Weg in die Neue Welt machte. Für uns dauerte die Reise nicht mal einen Tag, aber Jängi war Wochen mit dem Schiff unterwegs in eine ungewisse Zukunft. Nun sausten wir mit 65-70 Meilen (100-110 km) über die riesige Autobahn unserm Ziel entgegen. Inzwischen waren wir schon 15 Stunden auf den Beinen und hatten noch circa 400 km vor uns. Doch das neue Abenteuer hielt uns wach. Als wir unterwegs in einem Shop Getränke kauften, waren wir positiv überrascht über die Freundlichkeit der Amerikaner. Als wir am Abend in Fall City ankamen und endlich in dem kleinen Ort etwas zu essen gefunden hatten, fielen wir todmüde, aber glücklich ins Bett. Die Eindrücke am ersten Tag waren: in Amerika ist alles groß: die Straßen, die Plätze, die riesigen Mais- und Soyafelder, die Autos. Etwa 50 % der Autos waren schwere Pickup´s, dazu jede Menge bullige Geländewagen und nur ganz wenig kleine Autos.

Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück, ungewohnt (Pfannkuchen, Obst, Bratwurst) aber lecker,  ging es dann zu der Farm von Frank und Lynda Burggraff. Als wir in der Nähe ihrer Farm kamen, wir waren mehrere Meilen über Geröllstrassen durch die Maisfelder gefahren, sagte uns das Navy, dass wir am Ziel sind. Aber dort befand sich nicht die Farm unserer Verwandten. So fuhren wir auf´s Geradewohl einige Meilen weiter durch die Felder und sahen plötzlich einen Briefkasten mit dem Namen Henry Burggraff. Als wir in den Hof fuhren, kam uns ein Riese entgegen. Ich sagte in meinem holprigen Englisch: Wir kommen von Luxemburg und suchen Frank Burggraff. Er antwortete: „I am Glenn Burggraff, Frank is my brother“. (Ich bin Glenn Burggraff, Frank ist mein Bruder). Dank seiner Hilfe fanden wir schnell den Hof von Frank, wo wir herzlich empfangen wurden. Der Hof lag abgelegen, umrundet von viel Land….Riesentraktoren und Maschinen waren zu sehen…alles war groß und schwer. Aber wir fühlten uns ungemein wohl und noch heute, wenn ich an die Herzlichkeit der Leute denke, kommen mir die Tränen.

Frank zeigte uns den Hof, erklärte was er machte und seine kleine Enkelin fuhr uns auf dem Schoss des Opas sitzend durch die Felder.

Am Abend trafen wir in Sioux Fall´s weitere Kinder von Frank und Lynda und schauten uns die Wasserfälle dort an. Die Familie Melcher, die wir im Herbst 2012 kennengelernt hatten, als sie Deutschland und Luxemburg besuchten, war aus dem fernen Illinois angekommen (900 km) und wir aßen am Abend zusammen in einem Texanischen Restaurant.

Die Unkompliziertheit der Amis erstaunte uns. Die Restaurants waren einfach, aber üppig und preiswert. Die Kleidung eher lässig und praktisch. Wir waren auch erstaunt über die Sauberkeit der Dörfer und Städte die wir durchquerten, da lag kein Stück Papier auf der Straße….Als wir am nächsten Tag zum Burggraff-Treffen kamen, wurden wir mit großer Herzlichkeit begrüßt. Ein ganzer Saal voller Burggraff! Obwohl wir außer Lynda und Frank´s Familie und den Melcher´s, niemand kannten, gab es sofort das Gefühl der Familienzugehörigkeit. Wenn man bedenkt, dass der gemeinsame Vorfahre, Nikolaus Bourggraff, 1705 geboren wurde! Es war uns eine große Freude mit den alten Leuten zu reden und über die Verwandtschaft auszutauschen. Gertrud und ich sangen die „Hemecht“, die lux. Nationalhymne und ein Lied der Emigranten, die Heimweh nach ihrer Heimat Luxemburg hatten. Dabei fühlte ich eine tiefe Verbundenheit mit den amerikanischen Verwandten.  Wenn ich daran denke, dass im 19. Jahrhundert 70. 000 Menschen aus Luxemburg ausgewandert sind und die meisten nach USA, so bin ich sehr dankbar, dass sie dort eine neue Heimat gefunden haben. Man bedenke, dass in Minnesota 60 % der Einwohner deutschsprachige Wurzeln haben.Die nächsten 2 Wochen haben Gertrud und ich 5 Staaten durchquert und viel Schönes erlebt: in South Dakota, die Badlands, eine grandiose Felslandschaft; oder ein „Prairie Homstead“  Dies ist ein Erdhaus mit Stall und Scheune, wie die ersten Siedler sie bauten. Außerdem den Mount Rushmoore mit den im Felsen eingemeißelten Köpfen einiger Us Präsidenten. Deadwood, eine ehemalige Goldgräberstadt, wo man noch teilweise Häuser aus der Goldgräberzeit sehen kann.

In SD haben wir zur Freude unserer Enkelkinder das „Laura Ingalls Home“ besichtigt. Laura Ingalls beschreibt in den Büchern“ Die kleine Farm“ das Leben ihrer Familie in Minnesota, Wisconsin und SD. Mich, Gertrud hat der Anblick des Missisippi Stroms den wir plötzlich auf einer Anhöhe vor uns im Tal sahen, überwältigt. Wir besichtigten den „Corn Palace“ in SD. Einen großen ehemaligen Getreidespeicher, dessen Fassade jedes Jahr neu gestaltet wird und zwar nur mit verschiedenen farbigen Mais- und Getreide-Körner und kleinen Stroh-und Heubüschel. Dieses Jahr war unter anderem eine Krippenszene dargestellt. Das Schönste aber waren die Begegnungen mit den verschiedenen Verwandten. Bei jeder Verabschiedung standen uns die Tränen in den Augen und wir hoffen viele von ihnen bei dem nächsten Treffen der Familie in Luxemburg wieder zu sehen. Wir haben auch außer den Verwandten sehr liebe Menschen kennengelernt, um nur die Familie Smitt aus Dubuque/Iowa zu erwähnen, deren Ahnen aus Luxemburg stammen.Sie luden uns spontan zu einer mehrstündigen Fahrt mit ihrem Boot über den Mississippi ein. Als wir an einem alten Raddampferboot vorbeikamen, fühlte ich mich wie Tom Swayer und Huckleberry Finn. Die Smitt´s werden nächstes Jahr nach Luxemburg kommen, um die Orte ihrer Vorfahren kennenzulernen.Michelle und Dan Melcher zeigten uns die Stadt Chicago. Eine grandiose Stadt am Michigansee gelegen, mit vielen Sehenswürdigkeiten. Dort hatte der Schwager meines Großvaters, Jean-Michel Reuland, Ende des 19. Jahrhundert ein Geschäft. Wie mir einst seine Tochter Sophie erzählte, hat er Brot ausgefahren und hat dort viel Geld verdient.

In Naperville zeigte uns Michelle Melcher die Kirche, die sie und Dan besuchen. Eine große modern eingerichtete Kirche mit circa 1200 Plätzen, wo am Wochenende vier Messen stattfinden und die Kirche jedes mal voll besetzt ist. In dieser Stadt gibt es 4 katholische Kirchen, außerdem lutherische, baptistische und viele andere Freikirchen. In den Gottesdiensten waren wir freudig überrascht über die ungezwungene Art der Gottesdienstbesucher und wie freimütig die Amerikaner zu ihrem Glauben stehen. In Wisconsin besuchten wir in der Ortschaft “Belgium“ das luxemburgische Emigrantenzentrum, was sehr interessant war.

Zu Schluß möchten wir unsern Dank ausdrücken. Danke, Tracy Burggraff, über Facebook sind durch Dich die Kontakte zu den USA hergestellt worden. Danke, Lynda und Frank für Eure Gastfreundschaft, für das Familientreffen, für alles was Ihr uns in den Tagen danach noch gezeigt habt. Ihr ward ein Geschenk für uns. 

Danke, Michelle und Dan für Eure Gastfreundschaft, für Chicago, für die Zeit mit Euch. Wir haben uns so wohl gefühlt bei Euch. Ihr habt so liebe Kinder. Danke, Mary und Douglas, auch ihr habt uns als Eure Gäste verwöhnt. Danke, Tery, Du und Dein Mann haben uns köstlich bewirtet. Danke für die Besichtigung von „Eau Claire“ und die Theateraufführung Eurer Kinder. Don und Marlene, ihr könnt stolz auf Eure Kinder sein. Don, es war schön Dich wiederzusehen. Marlene, es hat uns gefreut Dich kennenzulernen.Danke, allen Burggraff –Verwandten, die auf dem Treffen waren, Ihr ward alle super!

Tim und Elisabeth Hanson, Ihr habt eine weite Reise auf Euch genommen. Es war schön, Euch kennenzulernen.Charles Van Hove, Danke für den amerikanischen Stammbaum der Burggraff Familie. Durch Deine Arbeit, konnte der amerikanische Zweig dem luxemburgischen Stammbaum zugefügt werden. Danke, Bryan Tassava, Du hast Deine Gitarre zur Verfügung gestellt. Euch allen sagen wir: „Willkommen in Luxemburg 2014!“

Als wir dann am letzten Tag am Flughafen unser Mietauto abgaben und uns zur Heimreise eincheckten, waren wir sehr dankbar über diese Begegnungen und auch etwas stolz, dass wir es in unserm Alter geschafft haben ganz allein in ein weites, fremdes Land zu reisen.Wir hatten lange für diese Reise gebetet und schließen weiter täglich die ganze Verwandtschaft in unser Gebet ein.

Arno und Gertrud

  

Drucken E-Mail